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2 Was sind autistische Störungen?

2. Was sind autistische Störungen?

2.1 Begriff und Symptomatik

 

Der Psychiater Bleuler bezeichnete im Jahre 1911 mit „Autismus“ einen Rückzug in die eigene psychische Welt, den er zu den „Grundstörungen“ bei schizophrenen Störungen zählte. 1943 beschrieben der Kinderpsychiater Kanner in den USA und 1944 unabhängig von ihm der Kinderarzt Asperger in Österreich zwei unterschiedliche Störungsbilder, die sie jeweils als „autistisch“ bezeichneten. Die beschriebenen Störungen sind heute als frühkindlicher Autismus (Kanner-Syndrom) bzw. als Asperger-Syndrom bekannt. Der Autismus-Begriff wurde beibehalten, obwohl die von Kanner und Asperger beschriebenen autistischen Menschen sich nicht im Rahmen einer schizophrenen Störung (z.B. auf Grund von Wahnvorstellungen und Halluzinationen) in eine eigene Welt zurückziehen, sondern wegen ihrer gestörten sozialen Interaktion, Kommunikation und ihres eingeschränkten Repertoires von Aktivitäten und Interessen.

Man spricht heute von autistischen Spektrumstörungen bzw. Syndromen, weil sich bei Menschen mit autistischen Störungen eine Vielzahl von Einzelsymptomen finden, die zum Teil quantitativ (d.h. bezüglich des Schweregrades), aber auch qualitativ (d.h. in der Art und Weise der Ausprägung) unterschiedlich ausgeprägt sein können.

Autistische Syndrome werden in den psychiatrischen Klassifikationssystemen DSM-IV und ICD-10 zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gerechnet. Als wesentliches Merkmal wird ein qualitativer Unterschied im Vergleich zur normalen Entwicklung hervorgehoben. Die autistischen Spektrumstörungen sind im Wesentlichen durch drei Hauptmerkmale gekennzeichnet:

  1. durch eine Störung der reziproken (wechselseitigen) sozialen Interaktion (Beeinträchtigungder zwischenmenschlichen Beziehungen),
  2. durch eine Störung der Kommunikation, d.h. der sprachlichen und nichtsprachlichen Kommunikationsformen wie Gestik und Mimik,
  3. ein deutlich eingeschränktes Repertoire von Aktivitäten und Interessen sowie Auftreten stereotyper Verhaltensmuster.


 
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