|
Autistische Störungen sind gekennzeichnet durch tiefgreifende Beeinträchtigungen der Entwicklung, die bereits im Kindesalter beginnen und in deren Zentrum eine schwere Beziehungs- und Kommunikationsstörung steht. Hinzu kommen zahlreiche Verhaltensauffälligkeiten, die besonders für die Eltern im alltäglichen Umgang mit ihren Kindern sehr belastend sind. Die Eltern erleben oft eine lange Phase der Un gewissheit, bis die Diagnose feststeht. Sie sind mit einer Vielzahl von Problemen kon frontiert und erhalten oft noch zu wenig Unterstützung. Sie müssen sich mit der Per spektive befassen, ihr ganzes Leben für ein möglicherweise in seiner Selbstän dig keit sehr eingeschränktes Kind Verantwortung zu tragen und zumindest für einige Zeit ihren Alltag fast vollständig auf dessen Bedürfnisse abzustimmen. Es beginnt eine mühsame Suche nach Entlastungs-, Betreuungsund Therapiemöglichkeiten, nach einer geeigneten schulischen Förderung, vielleicht auch nach einem Heimplatz, später nach Beschäftigungs- und Wohnmöglichkeiten für ihre erwachsen geworde nen autistischen Kinder.
Seit 1970 der Bundesverband „Hilfe für das autistische Kind e.V.“ gegründet wurde, hat sich die Situation in der Bundesrepublik Deutschland für Menschen mit Autismus und ihre Eltern verbessert. Der Verband und die ihm angeschlossenen Regional verbände bemühen sich, Ansprechpartner für betroffene Eltern zu sein, zwischen hilfesuchenden Familien, Fachleuten und Institutionen zu vermitteln und in Zusam menarbeit mit Sachverständigen verschiedener Disziplinen Therapie- und Hilfsangebote zu entwickeln.
Trotz des Engagements und der bisherigen Erfolge dieses Verbandes sind nach wie vor viele Fragen und praktische Probleme ungelöst. So beginnen immer noch häufige Behandlungs- und Förderungsmaßnahmen später als erforderlich. Auch ist die ge sellschaftliche Integration auf vielen Gebieten noch nicht hinreichend verwirklicht. Kindergärten, Schulen, Arbeitsplätze, Wohneinrichtungen usw. sind zu wenig auf die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Autismus eingestellt.
Diese Denkschrift soll daher einer breiteren Öffentlichkeit einige grundlegende Informationen über Menschen mit Autismus vermitteln und Empfehlungen zur Verbesserung ihrer Situation in der Bundesrepublik Deutschland geben. An dieser Stelle sei dem Wissenschaftlichen Beirat des Bundesverbandes für all sein Engagement und für die Erstellung dieser Broschüre sehr herzlich gedankt. Ein wesentliches Ziel aller Bemühungen um die Integration, um pädagogische und therapeutische Förderung autistischer Menschen sollte sein, diesen die ihrer jeweiligen Persönlichkeit entsprechende Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft zu er möglichen; d.h., sie sollen sich weitgehend nach ihrer Eigenart, ihren Möglichkeiten und Neigungen entwickeln können. Dabei ist ein hohes Maß an Verständnis für ihre Andersartigkeit sowie Offenheit und Toleranz notwendig. Menschen mit Autismus sollten nicht durch zu hohe Erwartungen überfordert werden, denn nach heutigem Wis sen lassen sich nicht alle Defizite ausgleichen.
|